Es ist nicht gesagt,
dass es besser wird,
wenn es anders wird.


Wenn es aber
besser werden soll,
muss es anders werden.


Georg Christoph Lichtenberg

BDU

Compliance-Management-Systeme als Reaktion auf Wirtschaftskriminalität im Unternehmen
30-06-15

Das Thema Compliance gewinnt für die Unternehmen mehr und mehr an Bedeutung, da nahezu jedes zweite Unternehmen in Deutschland ist mit Fällen von Wirtschaftskriminalität konfrontiert. Tatsächlich ist aufgrund der hohen Dunkelziffer sogar von einer weitaus größeren Anzahl von Wirtschaftsdelikten und Betroffenen auszugehen: nicht jeder Fall von Wirtschaftskriminalität wird entdeckt. Manche Unternehmen entscheiden sich zudem bewusst gegen eine Veröffentlichung.

Dennoch wähnen sich insbesondere Mittelständler noch immer in Sicherheit, da sie den Mitarbeitern durch die Unternehmenskultur bedingt großes Vertrauen schenken. Obwohl Vertrauen in die eigenen Mitarbeiter sinnvoll und richtig ist, sollte dabei nicht auf die notwendigen Kontrollmaßnahmen verzichtet werden. 99,9 Prozent der Mitarbeiter verhalten sich ehrlich und regelkonform/compliant. Jedoch reicht ein unehrlicher Mitarbeiter aus, um einen erheblichen Schaden im Unternehmen zu verursachen. Ein Blick auf das Täterprofil eines Wirtschaftskriminellen bestätigt, dass die Gefahr nicht nur im Internet und in „neuen“ Märkten, sondern auch in den eigenen Reihen lauert. Mitarbeiter begehen fast die Hälfte aller Wirtschaftsdelikte. Die Täter sind statistisch in der Regel zwischen 36 und 45 Jahren, mehr als sechs Jahre in der betroffenen Firma angestellt, extrovertiert, freundlich und sehr respektiert.

Überwiegend treten Fälle von Diebstahl und Unterschlagung sowie Betrug und Untreue auf. Speziell diese Delikttypen können bei unzureichenden Kontrollmaßnahmen leicht von den eigenen Mitarbeitern begangen werden. Nicht zu vernachlässigen ist zudem ein fehlendes Unrechtsbewusstsein bei den Mitarbeitern, das häufig in Wirtschaftskriminalität mündet. Gründe hierfür sind fehlende Kenntnisse der Mitarbeiter darüber, welche Handlungen gegen die internen Regelungen und Richtlinien verstoßen. Fehlendes Unrechtsbewusstsein wird überdies durch lückenhafte Kontrollmechanismen gefördert, da die Mitarbeiter diese als Rechtfertigung für die eigenen wirtschaftskriminellen Handlungen heranziehen. Studien belegen diese Thesen. Funktional betrachtet sind vor allem Vertrieb und Logistik stark von Wirtschaftskriminalität betroffen. Korruption wird häufig als einzigen Weg angesehen, neue Geschäfte zu generieren. In manchen Märkten zählen Korruptionsmaßnahmen zur gängigen Geschäftspraxis. Ähnlich verhält es sich mit Kartellabsprachen. Unternehmen behaupten, im starken Wettbewerb könnten sie ohne derartige Absprachen nicht bestehen. Dabei wird jedoch häufig außer Acht gelassen, dass ein solches Verhalten gegen nationale und internationale rechtliche Rahmenbedingungen verstößt. Die Strafen, die ein Unternehmen aufgrund von Wirtschaftsdelikten zu erwarten hat, können vor allem für mittelständische Unternehmen existenzbedrohend sein. Der jährliche Gesamtschaden aus Wirtschaftskriminalität beläuft sich allein in Deutschland auf rund 20 Mrd. EUR. Der direkte Schaden pro Unternehmen lässt sich auf durchschnittlich 8 Mio. EUR beziffern, wobei vor allem wettbewerbswidrige Absprachen mit durchschnittlich 28 Mio. EUR pro beteiligtem Unternehmen besonders hohe Schadenssummen nach sich ziehen. Fälle von Wirtschaftskriminalität bedeuten jedoch nicht nur finanziellen Schaden für die betroffenen Unternehmen, sondern können auch hohe indirekte Schäden zur Folge haben. Eine Beeinträchtigung der Beziehung zu Behörden oder sonstigen Geschäftspartnern, ein Rückgang der Motivation der eigenen Mitarbeiter, Aktienkursverluste und vor allem ein gravierender Reputationsverlust sind denkbare und wahrscheinliche Folgen eines Wirtschaftsdeliktes. Die Einführung eines wirksamen Compliance-Systems ist daher, vor allem für mittelständische Unternehmen, unabdingbar, um größerem Schaden vorzubeugen. Mithilfe von Compliance-Programmen werden Kontrollmaßnahmen etabliert und Mitarbeiter erhalten Verhaltenssicherheit in Bezug auf interne Regelsysteme und Richtlinien. Weiterhin ist die Einführung eines Compliance-Systems notwendig, damit das eigene Unternehmen rechtlich abgesichert ist. Nur ein effizientes und funktionierendes Compliance-Programm kann zum Haftungsausschluss von Geschäftsführung und Vorstand führen. Es bestehen jedoch nach wie vor Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines Compliance-Programms für das eigene Unternehmen: Eine Einführung sei zu teuer, erzeuge Misstrauen und bringe auch sonst keinen Nutzen für das Unternehmen. Zuletzt beginnt sich diese Einstellung jedoch zu ändern: viele Unternehmen wenden mittlerweile Compliance-Programme erfolgreich an. Die vermeintlich hohen Einführungskosten können in Anbetracht der Risiken und damit potenziell verbundener Schadenshöhen schnell unbedeutend werden. Meistens ist ein einziger gravierender Compliance-Verstoß ausreichend, um die Kosten der Einführung eines Compliance-Programms zu rechtfertigen.

Die Erfolgskennzahlen in Bezug auf Compliance-Systeme sprechen für sich. So können Unternehmen, die ein Compliance-Programm im Unternehmen eingeführt haben, einen Rückgang der Korruptionsdelikte um 50 Prozent verzeichnen. Außerdem wird vielfach angenommen, dass effiziente Präventions- und Kontrollinstrumente die einzig sinnvolle Möglichkeit darstellen, Kartellrechtsverstöße zu verhindern.

Rund 80 Prozent der Unternehmen stufen Wirtschaftskriminalität als ernsthafte Gefahr ein und nahezu 70 Prozent befürchten einen weiteren Anstieg der Delikte im eigenen Umfeld. Paradoxerweise existieren in den Unternehmen jedoch kaum ausreichende Schutzmechanismen und das, obwohl statistisch gesehen jede Minute ein Fall von Wirtschaftskriminalität auftreten kann. Die Einführung eines wirksamen Compliance-Programms stellt somit nicht allein aus rechtlichen Gründen eine Notwendigkeit für jedes Unternehmen dar. Bei dessen Einführung sind jedoch die Bedürfnisse und speziellen Voraussetzungen von mittelständischen Unternehmen zu beachten. So ist es beispielsweise nicht immer sinnvoll, eine eigenständige Compliance-Organisation neben der Linienorganisation aufzubauen. Vielmehr kann das Compliance-Management in einer Matrixorganisation ausgestaltet werden. Es gibt kein Grundrezept, wie Compliance-Programme für mittelständische Unternehmen zu integrieren sind. Daher ist es besonders wichtig, für jedes Unternehmen individuelle Ziele und Maßnahmen festzulegen. Mit dem richtigen Compliance-Konzept können mittelständische Unternehmen die eigene Compliance-Struktur binnen kurzer Zeit sogar zum Wettbewerbsvorteil ausbauen.








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